Ungeplanter Umzug
 Verfasst von Azzkickr
 Am 08.11.2012 um 00:00
 Kategorien: Hard- und Software, Gastbeiträge
Logo von Windows 8Vor einigen Tagen ist etwas passiert, womit ich selbst nicht gerechnet hätte: ich habe Spontanität, Flexibilität und Risikobereitschaft an den Tag gelegt! Bin ich normal einer dieser "Buchhaltertypen", bei denen von A-Z und von 0-24 Uhr alles durchgeplant ist und die grundsätzlich nichts verändern, wenn sie halbwegs zufrieden sind oder auch nur die geringste Chance auf unnötige Probleme sehen, habe ich mir überraschenderweise bewiesen, dass ich es ab und zu auch anders kann. Was ist passiert? Nun, Windows 8 ist passiert. Aber von vorne.

Grundsätzlich habe ich ja zu dem (konservativen?) Personenkreis gehört, der Windows 8 bestenfalls als "nicht sinnvoll für Desktop-Nutzer" beurteilt hat. Es waren also nicht nur meine oben beschriebenen Charaktereigenschaften, die einen Wechsel des Betriebssystems unwahrscheinlich werden ließen, sondern auch technische Gegenargumente, die hauptsächlich auf die neue ModernUI (ehemals: MetroUI) zurückzuführen sind. Kurzum: wozu auf Windows 8 wechseln, wenn danach altbekannte Aktionen länger dauern und die Produktivität daher sinkt?

"Dummerweise" war es nun aber so, dass wir Anspruch auf eine Windows 8 Pro Upgrade Version für günstige 14,99 € hatten, da sich meine Mutter im Aktionszeitraum zufälligerweise ein neues Notebook gekauft hatte. Und da das einzige andere Familienmitglied, das sich für PCs interessiert (Vadder) kein Upgrade sondern unbedingt die Vollversion wollte, war ich also der einzige, der für dieses Schnäppchen in Frage kommt. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass diese 15 Euro gut investiert sind – man kann den Key ja notfalls noch weiterverkaufen. Gesagt, getan: Windows Upgrade Advisor laufen lassen: jawoll, keine schweren Kompatibilitätsprobleme, in den Warenkorb gelegt, Geld überwiesen, runtergeladen.

Lasset die Spiele beginnen!

Und dann ging der "Spaß" los smile Was jetzt folgt ist definitiv kein Test zu Windows 8. Und mit Objektivität haben die folgenden Ausführungen ganz sicher auch nix zu tun. Wer so was sucht, findet das im Internet massenweise. Ich erläutere einfach nur mal ganz zwanglos und "frei heraus" meine ersten Schritte und Eindrücke zum neuen Betriebssystem.

Mein ursprünglicher Plan war es, das Upgrade – naheliegender Weise – über die bestehende Windows 7 Version drüber zu installieren, auch wenn ich von diesen Methoden normalerweise nichts halte (ich bin fest davon überzeugt, dass da immer irgendein Chaos samt Problemen und vor allem unnützer Daten und Registrierungseinträgen auf der Platte entstehen). Aber ich wollte mir eine Sicherung meiner vielen Daten ersparen. Zumal man ja heute gar nicht mehr richtig weiß, z.B. welches Spiel seine Spielstände und Einstellungen wo gespeichert hat. Man ist noch gut bedient, wenn’s alles in einem Ordner in den Eigenen Dateien liegt (was ist das bitte für ein unsinniger Trend, alles in den versteckten Ordner C:BenutzerBenutzernameAppDataLocal zu packen?!). Und da ich gerade mehrere Spiele intensiv angezockt habe (Assassins Creed 2, GRID, Fallout:NV), wollte ich das Risiko eines Datenverlusts nicht eingehen. Also, lange Rede, kurzer Sinn: schnell ein Image auf DVD sowie auf USB-Stick gespeichert und dann die Installation gestartet, Key eingegeben...und, naja, Installation wieder beendet. Was ist passiert? Speicherplatz ist passiert! Das ist eben das Problem, wenn man nur eine SSD mit 64GB hat, von denen nur noch 6GB frei sind. Weshalb Microsoft für die Installation von Win8 aber 20GB benötigt, obwohl das neue Betriebssystem sogar noch kleiner ist als der Vorgänger, ist mir ein Rätsel. Naja, mein Fehler, hätte mir auch die Systemanforderungen mal richtig durchlesen können. Aber auch der nette Upgrade Advisor hätte mich mal drauf aufmerksam machen können.

Also dann halt doch neu aufsetzen. In Ordnung. Wollte eh schon immer mal ein Windows von USB-Stick installieren smile. Und ja, ich als Ordnungsfanatiker freu mich auch immer wieder über eine "clean-installation", wo man so richtig schön bei null anfangen kann. Also USB-Stick angesteckt, Rechner neu gestartet, Boot-Reihenfolge geändert, nochmal neu gestartet, Installation gestartet, c: formatiert und dann...naja...Installation abgebrochen. Was ist denn nun wieder passiert? Partitionstabellen sind passiert!

Jetzt muss ich zu meiner Schande gestehen, dass das tatsächlich ein Bereich ist, in dem ich mich bis dato nicht ausgekannt habe. Aber man lernt ja nie aus. Die Kurzfassung: mit der Einführung von UEFI (dem BIOS-Nachfolger) haben sich wohl auch die verwendeten Partitionstabellen geändert. Und zwar von MBR (Master Boot Record) auf GPT. Die größte Veränderung ist dabei wohl die Unterstützung von Festplatten >3TB. Aber da hab ich mich nicht weiter informiert. Wie auch immer: Windows 8 war jetzt auf jeden Fall der Meinung, dass es sich nur auf GPT installieren lässt und behauptete, ich würde noch MBR verwenden, was insofern sehr kurios ist, da ich mein Windows 7 ja ebenfalls auf demselben System ohne dieses Problem installieren konnte. Wie auch immer: bis ich das alles herausgefunden hatte, verging eine gute Stunde, in der ich auch das Notebook meiner Mutter beschlagnahmen musste. Schließlich hatte ich ja kein eigenes Betriebssystem mehr zu dem Zeitpunkt. Zudem stand ich vor dem teuflischen Problem, dass ich – so vermute ich zumindest – sowieso auf keinen Fall aus dem Installationsprogramm raus durfte, da ich ja nur eine Upgrade-Version von Win8 besitze und diese vor der Installation eine bestehende Win7-Installation erkennen muss. Die Partition war aber ja bereits formatiert. Will heißen: nach einem Neustart des Systems, wär ich ziemlich im Arsch gewesen und hätte wohl erst wieder Win7 installieren "dürfen". Nun ja, die Lösung des Problems war dann doch relativ simpel: anstatt die Partitionen nur zu formatieren, muss man sie komplett löschen und wieder erstellen lassen, dann richtet sich Windows alles so ein wie es es benötigt. Im Nachhinein hab ich dann auch gelesen, dass man wohl auch aus dem UEFI heraus booten kann und sich so die Probleme vermeiden lassen. Das hab ich aber nicht geprüft. Ich war froh, dass Windows 8 endlich installiert wird. Im Übrigen relativ fix, aber nicht unbedingt viel schneller als Win7.

Optische Täuschung?

Und dann wurde ich – nach ein paar kurzen Einstellungen und dem Erstellen eine Microsoft-Kontos (bzw. dem Anmelden mit meiner bestehenden GFWL bzw. XBOX-Live Kennung) – auch schon begrüßt von dieser zweifellos sehr hübschen ModernUI. Ich werde an dieser Stelle darauf verzichten zu erläutern, was diese Oberfläche alles bietet – und was nicht. Dazu gibt’s ja dutzendfach Berichte im Netz. Man hat halt nun quasi eine, dem eigentlichen Desktop vorgelagerte Smartphone Oberfläche. Das ist unerwarteter Weise nicht so schlimm, wie ich das befürchtet habe. Denn mal abgesehen davon, dass diese Oberfläche wie erwähnt sehr hübsch ist und ich sie mir gerne anschaue, bietet sie auch einige Apps, die ganz nett sind. Schnell kuggen, was sich in Facebook tut? Schnell nachschauen, was in der Welt so passiert? Sich rasch informieren, wie das Wetter morgen wird? Oder mal eben unkompliziert eine Nachricht an seine Freunde schicken ohne ein Chatprogramm zu starten? Alles kein Problem!

Wobei, das ist dann leider auch gelogen. Denn gerade die "Nachrichten-App" sowie die "Kontakte-App" leiden noch unter kleinen Bugs. Prinzipiell kann man mit ersterer unkompliziert mit seinen Freunden (aus Facebook, Skype, MSN) chatten und mit zweiterer sich schnell über z.B. die Neuigkeiten in Facebook informieren. Das Problem: die Synchronisierung findet bisweilen stark verzögert statt. Nachrichten erscheinen oft erst eine viertel Stunde später. Manchmal auch erst, wenn man gezielt in der App nachschaut. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Trotzdem: angenommen die Apps laufen irgendwann mal fehlerfrei, so ist es wirklich angenehm, kurz per (hübschem) "pop-up" über eine Nachricht informiert zu werden – auch wenn man gerade auf dem Desktop unterwegs ist. Dabei ist es tatsächlich auch die Optik und die Übersichtlichkeit, die mich überzeugen. Auch wenn man dafür auf die ein oder andere Funktion verzichten muss. Die Simplizität und der "Style-Faktor" sind einfach toll. Weniger toll hingegen ist die aktuelle Auswahl an Apps. Ohne jetzt genau nachgezählt zu haben würd ich auf etwa 600 Apps schätzen. Das Hauptproblem ist dabei aber nicht die Quantität sondern die Qualität. Denn wirklich nützliche Apps habe ich überhaupt noch nicht gefunden. Zwar gibt’s bspw. von einigen Printmagazinen diverse Apps (z.B. Focus, Auto Motor Sport), aber letztlich nutze ich für diese normale Art von Informationsbeschaffung dann doch lieber den guten alten Desktop-Webbrowser (nein, den App-Browser, der im Vergleich zur traditionellen Variante deutlich eingeschränkt sein soll, habe ich noch nicht getestet und habs auch erstmal nicht geplant). Aber apropos Desktop, den gibt’s ja natürlich auch noch. Per Mausklick auf die entsprechende App-Kachel erscheint man die vertraute Bedieneroberfläche.

"Heimat ist, wo das Herz..äh, der Desktop wohnt"

Ich beschreibe mal ganz kurz und ohne Übertreibung das Gefühl, dass ich hatte, als ich erstmals, nachdem ich mich gut 20min mit der ModernUI beschäftigt hatte, auf den Desktop gelangt bin: es war "wie nach langer Zeit nach Hause zu kommen" smile. Kein Spaß, es kam sofort ein Gefühl von Vertrautheit auf. Und binnen weniger Minuten hatte ich auch alles wieder haargenau so eingerichtet wie unter meinem Windows 7. Mit einer ärgerlichen Ausnahme: die tolle "To-Do-Liste", die ich als Widget in der Sidebar platziert hatte gibt’s aufgrund der Abwesenheit letzterer natürlich nicht mehr. Wäre halb so schlimm, wenn’s denn dafür ne adäquate App gäbe. Aber dem ist natürlich nicht so. Schade. Gar nicht schade hingegen sind die vielen kleinen Detailverbesserungen am Desktop: sei es der erweiterte Taskmanager, der erweiterte Explorer (mit Ribbon-Oberfläche), der neue Dateitransferdialog oder der ab Werk integrierte und herrlich unsichtbare Windows Defender (der für mich völlig ausreicht): einmal dran gewöhnt möchte man nichts mehr davon wissen. Hinzu kommen natürlich auch diverse, mal kleinere, mal größere Verbesserungen an Windows 8 selbst: z.B. kürzere Startzeiten, native USB 3.0-Unterstützung und besserer Multi-Monitor-Support. Das ist freilich nichts Weltbewegendes und vor allem nichts, was man nicht auch in einem zweiten Service Pack für Windows 7 hätte lösen können. Aber vor dem Hintergrund des recht günstigen Preises für Windows 8 – selbst wenn man nicht für 14,99 € umsteigt – kann man auch nicht wirklich meckern.

Das kann man dafür an anderer Stelle. Zum Beispiel bei der ab Werk fehlenden Unterstützung für die Wiedergabe von DVDs. Das ist in meinen Augen ein absolutes Unding. Zwar kann man sich diesen nachträglich recht günstig - und bis Anfang 2013 sogar kostenlos – zusammen mit dem Media Center Pack runterladen, aber ausschließlich für Windows 8 Pro. Und damit treibts Microsoft dann meiner Meinung nach auf die Spitze. Aber auch abseits fehlender Features wie eben der DVD-Wiedergabe und der Sidebar habe ich einige, teils sehr ärgerliche Probleme mit oder seit Windows 8. So haben aktuell alle Besitzer von Creatives X-Fi Soundkarten das kuriose Problem, dass diese nach einem Neustart keinen Ton ausgibt und zudem sämtliche Einstellungen, die man in der Konsole getroffen hat, wieder zurückgesetzt werden. Wechselt man kurz in einen anderen Modus (z.B. in den Audioerstellungsmodus) ist der Ton wieder da. Wie genau das Problem gelöst wird, ist unklar, bei einigen – so auch glücklicherweise bei mir – hat es geholfen, nach dem Treffen aller Einstellungen in den Standby zu wechseln und dann den PC wieder zu aktivieren. Anscheinend werden dann die Einstellungen auch gespeichert. Im Übrigen hatte auch Steam bei mir anfangs ein ähnliches Problem: Einstellungen an der Benutzeroberfläche wurden erst nach zig Neustarts endlich dauerhaft übernommen. Sehr seltsam.

Das nächste Problem betrifft Outlook 2010. Seit Windows 8 tut es gar nicht mehr so, wie es soll. E-Mails werden nicht sofort runtergeladen (wie das bei IMAP eigtl. üblich ist), bei einem meiner beiden Konten sogar überhaupt nicht automatisch. Beheben kann man das, indem man ein automatisches Zeitintervall in den Optionen einstellt. Teilweise schließt es sich zudem nicht über den Klick auf das Kreuz rechts oben sondern wird nur minimiert. Dann wiederum fährt Windows 8 nicht runter, wenn Outlook noch offen ist und es im Hintergrund nach der Erlaubnis fragt, ob es den Ordner "Gelöschte Elemente" leeren soll. Dieses Nachfragen kann man zwar in Outlook abstellen, aber Windows 7 hat das Runterfahren wenigstens erzwungen. Sowas sollte einfach nicht passieren, vor allem nicht, weil Outlook ja auch von Microsoft programmiert wurde. Ach ja: GFWL verursacht ständig Kompatibilitäts-Fehlermeldungen. Auch hier: Microsoft, Schande über euch. Ihr solltet wenigstens die firmeninternen Produkte untereinander kompatibel halten...

Das letzte größere Ärgernis ist meine Maus- und Tastaturunterstützung, auch wenn das – wie schon bei der X-FI – möglicherweise zur Hälfte auf das Konto fehlender Treiber seitens der Produkthersteller geht. Keinerlei Zusatztasten auf meiner Tastatur und nur die Grundfunktionen auf meiner Maus funktionieren. Einen Win8-Treiber gibt’s von Logitech bislang nur für die "non-gamer-Geräte". Meine G700-Maus wird also vorerst nicht mehr unterstützt. Sehr ärgerlich.

Apropos Gamer, das hätte ich ja fast vergessen: alle Spiele, die ich bislang getestet habe, liefen weitestgehend anstandslos und ohne merkliche Veränderungen an der Performance. Lediglich in Fifa 12 wird seltsamerweise ohne ersichtlichen Grund die Lautstärke stark gedrosselt. Ich habe jetzt testweise mal die Mikrophoneinstellungen geändert, womöglich liegts ja daran (automatische Pegelabsenkung bei Mikrophonaktivität deaktiviert).

Fassen wir also abschließend nochmals kompakt und übersichtlich zusammen:

+ verbesserter Explorer
+ verbesserter Dateitransfer-Dialog
+ verbesserter Taskmanager
+ Windows Defender Standard
+ USB 3.0, DX 11.1, Bootzeiten
+ hübsche Smartphone-Funktionalität "gratis dazu"...
- ...die manch einer aber als unnötig und störend empfinden wird
- ...die aber zweifellos zu wenige (nützliche) Apps bietet
- ...und die zudem noch unter ärgerlichen Bugs leidet (Nachrichten- und Kontakte-App)
- keine Sidebar mehr
- keine DVD-Wiedergabe in Standard-Version (in Pro nur gegen Gebühr ab 2013)
- teils (nur wenig) störende Treiberprobleme (Logitech, Creative)

Meine Empfehlung

Und was ist nun meine Empfehlung? Nun, aus der obigen Aufzählung wird ja ganz klar ersichtlich, dass sich – zumindest zum aktuellen Zeitpunkt – die Vor- und Nachteile die Waage halten. Fakt ist: der Desktop-Part wurde spürbar und sinnvoll verbessert. Und der täglich nötige, eine Mausklick um von der ModernUI auf den Desktop zu wechseln ist – auch entgegen meiner eigenen Befürchtung – überhaupt nicht störend. Zumal es ja auch ein Tool gibt, durch das man direkt auf den Desktop gelangt. Wer also auf Sidebar und nativen DVD-Support verzichten kann (oder in letzterem Fall die Pro-Version samt aktuell noch kostenlosem Media Center Pack besitzt), muss sich "lediglich" mit Treiberproblemen rumschlagen, von denen man aber erwarten kann, dass sie in den nächsten Wochen behoben sind. So gesehen bleibt für "Desktop-only-Nutzer" streng genommen kein fundamentales Argument gegen Windows 8.

Alle anderen, die auch mal gerne (oder sogar vorwiegend) mit der ModernUI rumspielen mögen, dürften sich jedoch ärgern, dass die MS-eigenen Apps teilweise (noch??) verbuggt sind und es abseits davon (noch??) nicht die riesige Auswahl, insbesondere auffallend kreativer und nützlicher Apps gibt.

Es gibt also weder DAS EINE ARGUMENT FÜR Windows 8 noch DAS EINE ARGUMENT GEGEN Windows 8. Dafür gibt’s jede Menge Bugs und Kompatibilitätsprobleme zum gegenwärtigen Zeitpunkt, die aber – zumindest nach einigem Herumprobieren – die Funktionalität nur gering einschränken (was nichts desto trotz ärgerlich und unnötig ist).

Kommen wir also zur alles entscheidenden Frage: Würde ich, azzkickr, Windows 8, freiwillig in meiner Freizeit weiter nutzen? (na, wer erkennt hier das Plagiat? laughing).

NEIN.

Aktuell würde ich noch jedem, der nicht unbedingt eine Smartphone-Oberfläche in Computer-Bildschirmgröße haben will von Windows 8 abraten. Zu gering der Desktop-Mehrwert gegenüber Windows 7, zu groß hingegen die möglichen Desktop-Kompatibilitätsprobleme (ich packs einfach nicht, das Wort auf Anhieb fehlerfrei zu schreiben...). Und andererseits: Zu gering die App-Auswahl, zu groß hingegen die Bugs (und Funktionseinschränkungen) bei den bestehenden (vorinstallierten) Apps.

ABER AUCH JA.

Denn mit etwas Frickelei hat man quasi keine tiefgreifenden Einschränkungen mit Windows 8 im Vergleich zu Windows 7. Dafür aber einige nette Verbesserungen und eine neue, sehr hübsche Oberfläche die immerhin zum Herumspielen einlädt. Und hinzu kommt die, ich nehme an sehr wahrscheinliche, Aussicht auf Besserung in den nächsten Monaten was die Bugs, Treiber und Anzahl an Apps angeht. Und dann wiederum würde ich Windows 8 auch den zufriedensten Windows 7-Nutzern empfehlen.
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 Der verrückte König
 Verfasst von JakillSlavik
 Am 01.11.2012 um 00:00
 Kategorien: Spiele, Gastbeiträge
Liebe Bagdadsoftware-Leserschaft,

Heute an diesem hoch-katholischen Feiertag beziehungsweise katholischen Hochfeiertag ist es mir doch tatsächlich vergönnt diese Seite mit Inhalt zu füllen. Vielen Dank dieser Ehrung wegen. Ja, natürlich gefällt es auch mir als bekennenden Protestanten an diesem Tage frei zu haben. So ein freier Tag fühlt sich dann jedes Mal ein wenig nach Wiedergutmachung an müsst ihr wissen. Wenn man bedenkt, dass man schon den einzig verbliebenen evangelischen Feiertag im Jahr mehr oder weniger abgeben musste, ist das nicht gerade erbaulich, wenn man erfährt warum man heute mal ausschlafen darf. Doch gerade in Bayern ist das verschmerzbar, da man sowieso mehr Feiertage vorfindet, als man eigentlich rechtfertigen kann, aber ich will mich hier nicht beschweren. Wirklich nicht. Denn ein freier Tag bleibt ein freier Tag. Und vom gestrigen Reformationstag, der wirklich mal ein wichtiges Ereignis war, dem man ruhig mal gedenken kann, haben die Meisten von euch bestimmt auch noch nichts gehört. Und natürlich werden auch dieses Jahr wieder unsere gewöhnlichen Bräuche, wie der Reformationstag und Allerheiligen vom amerikanischen (eigentlich irischen) Brauch der Vor-Allerheiligen-Zeit "überschattet". Da man sowieso ungewollt über alles informiert wird, wie zum Beispiel über die absurden Aktivitäten im Westen, können wir dieses Thema aber heute gerne vertiefen.

Positiv möchte ich deswegen jene Ideen erwähnen, die aus diesem neuen Brauch entstanden sind. Bei Freizeitaktivitäten und Spielen an sich, ist es mir in der Regel zwar ziemlich egal was gerade im Feiertagskalender passiert, aber dieses Jahr war ich richtig 'heiß' auf Halloween. Dazugehörige Events gibt es schließlich ja nicht nur physisch, sondern auch virtuell. Für mein Empfinden jedoch ist es schön, wenn sich Spiele-Entwickler diese Bräuche hernehmen und sie als Aufhänger verwenden um damit neue Inhalte zu kreieren. In der Regel weitgehend kostenfrei. Besonders bemerkenswert ist meiner Ansicht wie immer ArenaNet, die sich erneut die Zeit genommen haben zu Halloween ein passendes Event für Guild Wars 2 zu kreieren, das über das typische "Erwerbe besondere Halloween-Kleidung" hinaus geht.

Wie schon von mir im Bagdadsoftware Podcast Nr. 45 – Laberecke 2012 erwähnt, fehlt es dem sonst rundum gelungenen Spiel gerade für fertig gelevelte Charaktere doch noch an Inhalten, die einen dann zum Weiterspielen animieren. Innerhalb von einigen Wochen hatte ich meinen Charr-Ingenieur (Hinweis: Charr sind diese Katzen – und Stier-artige Rasse) auf der maximalen Stufe mit akzeptabler Ausrüstung. Akzeptabel deswegen, weil Guild Wars 2 im Gegensatz zu Blizzard-Titeln keine Item-Spirale verfolgt wird, sondern es eine relativ leicht zu erreichende Obergrenze bei Statuswerten gibt. Jeder weitere Sammeltrieb kommt dann nur durch das eigene Bestreben eine Waffe zu bauen, zu finden oder einzutauschen, die ein besseres Aussehen, sprich einen eleganteren Waffen-Skin hat. Das gefällt mir zum Beispiel sehr gut, da man so schon auf einem gleichen Stand mit anderen Spielern der Stufe ist und auf der anderen Seite die Individualität durch das Stilisieren seiner Spielfigur herstellt. Diese Eigenschaft ist aber, wie ich mir jetzt eingestehen musste, Fluch und Segen zugleich. Wenn ich sowieso weiß, dass meine Bemühungen in Verließen nur einen Gegenstand nach sich zieht, der meinen ästhetischen Ansprüchen nicht genügt, dann betrete ich den Dungeon erst gar nicht. Und so verlor ich in Guild Wars 2 erst einmal ein antreibendes Ziel aus den Augen und wandte mich wieder exzessiv PAYDAY – The Heist zu, bis das Halloween-Event mit diesem kleinen Trailer angekündigt wurde.

Als ich das sah, weckte das natürlich Erinnerungen. Das Halloween-Feiertagsevent! Hachja!Das war für mich in Guild Wars 1 das erste richtige Online-Event, das ich jemals mitgemacht habe. Kurz nach der Einführung der Kampagne Nightfall wurden zwei der drei Hauptstädte in ein schön schauriges Halloween-Bild getaucht. Überall ließen die Monster Süßes- oder Saures-Taschen fallen, in denen Süßigkeiten, Alkohol und Partygegenstände zu finden waren. Diese Items hatten keinen Einfluss auf das Spiel in Form von Wettkampf; sie dienten nur dafür, dass man etwas Spaß hatte, sich Zuckerschübe, Rauschzustände und Feuerwerk spendieren konnte. Diese Sachen wurden dann auf Titel angerechnet, die ich bis heute nicht erreicht habe und wir reden hier von fünf (!) Jahren, die seitdem vergangen sind. Auf meinem YouTube Profil habe ich sogar noch ein altes Video gefunden, in dem ich eine dieser resultierenden Spaß-Situationen festhalte. Wie ihr sehr schnell merken werdet habe ich das damals noch mit der Trial-Version von Fraps und dem Windows-Movie-Maker gemacht.

Zurück zum Event: Am 31.Oktober erschien dann immer der Verrückte König Thorn in den Hauptstädten. Dieser lustige Genosse ist ein übergroßer NPC mit einem Kürbis als Kopf und einer Garde, die aus Karamell-Popcorn-Gestalten besteht, ähnlich den Dingern, die ihr im Video tanzen seht. Alle drei Stunden erschien Thorn und das Event startete im Bereich um ihn herum. Man spielte mit Hilfe von Emotes Papier-Stein-Schere gegen ihn oder musste über seine Witze lachen, die Philipp, dem Flachwitzer meiner Meinung nach immer noch ordentlich Konkurrenz machen. Das besondere Schmankerl war aber stets "Der Verrückte König sagt", was sich genauso spielt, wie "Simon says". Verlor man gegen ihm beim Schnick-Schnack-Schnuck, lachte nicht oder stellte man sich für "Simon says" einfach zu dumm an, wurde man auf der Stelle vom König getötet, andernfalls erhielt man eine kleine Belohnung und zum Ende des Events eine Feiertagsmütze. Das Schöne waren somit weder der Tiefgang oder die Belohnungen des Events selbst, sondern die Schadenfreude über andere Spieler, welche die Tastatur-Befehle nicht auswendig konnten und gnadenlos von Thorn dahingerafft wurden. Gerade bei "der Verrückte König sagt" war es immer ein besonderes Herzerwärmen, wenn man bei den schnellen Passagen sah, wie andere Spieler reihenweise wegstarben. Einfach herrlich.

Thorn

In Guild Wars 2 wurde fast alles aus dem Vorgänger übernommen, nur wesentlich großer aufgezogen. Während des Zeitraums vom 23. bis zum 31. Oktober wurde das Event in vier Akte unterteilt und diese dann bis zum Höhepunkt hin zelebriert. Groß angekündigt als "Der Schatten des Verrückten Königs" ging es trotzdem im ersten Akt erst einmal etwas gemütlich los: Die freie Stadt Löwenstein wurde umdekoriert und man konnte Erzklumpen aus Karamell-Popcorn abbauen. Das Candy Corn brauchte man dann für den Handel mit Halloween-Artikeln, zum Eintauschen gegen Süßes-oder-Saures-Taschen oder um sich ganz dezent die virtelle Birne mit Süßigkeiten wegzuknipsen. Überall in Tyria, der Welt von Guild Wars 2, erschienen außerdem Schnitzkürbisse, von denen man 150 Stück finden und schnitzen musste. Dies wäre eine kleine Fleißaufgabe gewesen, hätte man durch einfaches Reloggen nicht bereits geschnitzte Kürbisse erneut verunstalten können. Ein schönes Gimmick war aber die Sammelquest der verlorenen Buchseiten aus den Memoiren des Verrückten Königs. Mit Hilfe eines mit Candy Corn betriebenen Radars musste man in einer Art Schnitzeljagd Geister orten und im Gespräch von ihnen die fehlenden Seiten erhalten. Durch das Sammeln der Seiten erfuhr man scheibchenweise endlich was für eine Art Herrscher dieser König einmal gewesen ist und wie seine Regentschaft beendet wurde. Dadurch wurde die sonst so eindimensionale Figur des MadKing interessanter und war nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck wegen der Halloween-Zeit. Nein, der Verrückte König passte jetzt, zusammen mit den Nebenquests aus Guild Wars 1 endlich vollständig in die Lore. Nachdem man alle Buchseiten zusammengetragen hatte, erhielt man in einem gesonderten Slot ein Buch mit Attributen, dass man auf dem Rücken tragend zur Schau stellen konnte.

Im zweiten Akt wurde diese Quest fortgeführt und man erhielt nach dem Abschluss ein noch stärkeres Buch, dass mit einer hübschen Flammenanimation brennend dargestellt wurde. Schließlich wurden auch zwei neue Formen von Player-versus-Player eingeführt, die über NPCs auf jeder Map betretbar waren, namentlich "die Verrückte Inquisition" und "das Grollen des Sensenmannes." Außerdem erschienen in einigen Anfangsgebieten Türen in die Welt des Verrückten Königs, sofern die Spieler ein paar kleine Pre-Events abgeschlossen hatten.

Im Inquisitions-Modus hatte man eine Art Versteckspiel zu absolvieren, bei dem man sich als einfacher Dorfbewohner zuerst nicht gegen die anderen Spieler wehren konnte. Mit großer Vorsicht und dem geschickten Nutzen der Tarnung musste man drei Gebiete auf der Karte erreichen. Schaffte man dies, wurde man mit Begleitschutz belohnt. Schaffte man es nicht, wurde man 'bekehrt' und musste ebenfalls Jagd auf andere Spieler machen. Durch jede erfolgreiche Aktion oder das Überleben als Dorfbewohner erhielt man Punkte, die dann schließlich über den Erfolg des Spielers entschieden.

Im Sensenmann-Modus bekriegten sich zwei Parteien um die Vorherrschaft. Jeder Spieler hatte das gleiche Waffen-Setup und folglich auch die gleichen Attacken. Die Abwechselung kam durch die Beteiligung von NPCs zu Stande, die in der Schlacht um Kontrollpunkte (mehrere Mausoleer) und Vorräte die Parteien jeweils im Kampf unterstützen.

Das "Labyrinth des Verrückten Königs" war ein eigenes Gebiet in dem man sich über einen verwinkelten Friedhof gegen die Diener des Verrückten Königs durchkämpfte. Dieser Bereich diente vor allem den Spielern als Farmort für Feiertags-Gegenstände und Titel, die man während des Halloween-Events verdienen konnte. Anders als in Guild Wars 1 haben im Nachfolger diese Titel jedoch die Rolle einer Nebenquest, bei deren Abschluss man eine Belohnung erhält.

Was mir im zweiten Akt jedoch am meisten Spaß gemacht hat, war das Jump Puzzle "Uhrturm des Verrückten Königs". In einer Instanz mit anderen Spielern musste man schnellstmöglich zur Spitze des Glockenturms klettern, bevor eine aufsteigende grünliche Flüssigkeit die eigene Spielfigur verschlang. Auf dem Weg zur Spitze sind verschiedene Kisten verstreut, die man optional erbeuten kann, was aber wiederum sehr zeitintensiv ist. Ich kann ohne Umschweife sagen, dass die Überlebenschancen durch den Zeitverlust drastisch sinken. Für viele Spieler war die größte Hürde, dass man das Sprungrätsel mit anderen Spielern absolvieren musste, wodurch man zu Beginn des Puzzles nur sehr schlecht sehen konnte, wohin man eigentlich sprang. Damit ihr euch dieses Event besser vorstellen könnt, habe ich euch ein kleines Video gemacht. Dies ist eine Premiere auf Bagdadsoftware, denn erstmals wird ein YouTube Video hier in einem Eintrag eingebettet:



Der dritte Akt ist zwar sehr schnell in Worte gefasst, war für mich dennoch sehr beeindruckend: In der Mitte von Löwenstein – genauer gesagt: auf der großen Piazza – stand von jeher ein Brunnen mit einem stolzen Löwen im Zentrum als Wahrzeichen für die Stadt. Während der Umdekoration hatte dieser Löwe jedoch schon Einiges einstecken müssen und laut den bisherigen Ankündigungen, die man während des Events per Post erhalten hatte, drohte das Gefängnis des Verrückten Königs, welches ihn 200 Jahre sicher verwahrte, zu fallen. Wo sonst als in der Mitte dieses Platzes sollte der Verrückte König auftauchen? Was erwartet wurde, geschah. Leider habe ich sein Durchbrechen der Grenze nicht mitgeschnitten, dafür aber dieses schöne Videogefunden, bei dem man die Filmsequenz sieht, während am vergangen Sonntag der Verrückte König seinem Gefängnis entsprang. Nach dieser Filmsequenz konnte man von der Mitte der Piazza einen kleinen Dungeon mit bis zu vier Freunden betreten (5 Spieler ist die Standard-Gruppengröße von Guild Wars 2). Das Interessante an diesem Verließ war, dass man mit jeder Stufe dort etwas ausrichten konnte, da alle Spieler auf Level 80 hochgestuft wurden. Natürlich waren Charaktere die von Natur aus bereits Stufe 80 waren aufgrund aller Fertigkeiten und Attribute im Vorteil, jedoch hat sich dieser nicht so stark geäußert.

Zu Beginn des Dungeons spielte man drei Runden "Der Verrückte König sagt" mit Thorn, bevor er sich selbst samt seiner Dienerschaft gegen einen in den Kampf stürzt. Während des Kampfes flüchtet der König aufgrund abnehmender Gesundheit immer tiefer nach unten in den Dungeon, sodass man ihn nur durch das Bewältigen eines kleinen Sprungrätsels erreichen musste, bevor man ihn endgültig vertreiben konnte. Der Schwierigkeitsgrad des Verlieses war moderat und auf jeden Fall auch mit einer kleineren Gruppe schaffbar, darüber hinaus sehr abwechslungsreich.

Halloween

Im vierten und letzten Akt erschien der Verrückte König auf der großen Piazza in der freien Stadt Löwenstein. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich dieser Teil ein wenig enttäuscht hat, denn außer ein paar Runden "Der Verrückte König sagt" passiert nichts Besonderes. Der Unterschied zum Vorgänger ist der, dass der König im Prinzip die ganze Zeit über in Löwenstein ist, man also keine drei Stunden warten muss und er eben das "Simon says"-Spiel spielt. Dies wird übrigens als kleines Event angesehen. Allein für die Teilnahme unabhängig der Erfolgsquote erhält man Zugang zu seiner Truhe in der ein Hexenhut zu finden ist. Dieser Hexenhut gehört leider zur Hauskleidung und kann in Kämpfen nicht verwendet werden. Dennoch ist es für Veteranen schön, dass diese alte Tradition von Guild Wars 1 übernommen wurde.

Nach der Spielrunde läuft der König noch etwas durch Löwenstein und gibt seine neusten Witze zum Besten. Ich muss zugeben, dass ich so Manches mal herzhaft lachen musste, aber das lag wohl nur an meiner Art von Humor. Alles in Allem ist mir der 4. Akt im Angesicht der vorherigen Teile zu dünn gewesen, weswegen ich nach dem Event noch in Guild Wars 1 eingeloggt habe, um dort Thorn noch einmal zu begegnen. Logischerweise war nur noch ein Bruchteil der Spielerschaft im Vergleich zum Vorjahr versammelt, aber ich für mich kann nur feststellen: Es hat sich gelohnt und ich hatte mit beiden Feiertags-Events sehr viel Spaß. Und deswegen hat Halloween nicht mehr so einen faden Beigeschmack wie früher. :-)

Abschließend noch eine große Entschuldigung an diejenigen, die gesehen haben, dass der Eintrag wieder in zwei Stufen erschienen ist. Ich hatte das Clocktower Video fertig geschnitten, jedoch den Ansturm an Video-Uploads auf YouTube an Halloween unterschätzt, so dass sich mein Video ewig in der Warteschlange befand. Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass die Preview-Funktion vom Editor keine eingebetteten Videos darstellen kann, weswegen ich die ganze Zeit dachte, den falschen embed code verwendet zu haben. Wie ihr seht, funktioniert jetzt aber alles. Gomenasai und ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Schmökern.

In diesem Sinne


--jks
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 No bullshit - just Games
 Verfasst von JakillSlavik
 Am 15.10.2012 um 00:00
 Kategorien: Spiele, Gastbeiträge
Hallo liebe Leser von Bagdadsoftware,

Ich grüße euch heute in Vertretung für den Webmaster, der sein Wochenende ausgiebig auf der Frankfurter Buchmesse verbracht hat. Wäre nicht gerade Vorlesungszeit, wäre ich wohl selbst mit gefahren, nur um mal wieder den Messeturm und die verrückten Cosplayer zu sehen. Der Eintritt war dieses Jahr für kostümierte Besucher scheinbar nicht mehr kostenlos, vermutlich weil sonst zu viele Hobbits erschienen wären... Abgekoppelt davon wird das Thema, welches ich heute präsentieren will, für euch wahrscheinlich recht unerwartet kommen. Aber ich kann euch beruhigen: Für mich kam es genauso unerwartet. Da ich weiß, dass es Vorbehalte geben wird, sobald klar ist, um was für ein Thema es sich handelt und ich mir für diesen Eintrag viel Mühe gegeben habe – wie auch für jeden anderen meiner Gastbeiträge – bitte ich euch dennoch das Ganze erst einmal auf euch wirken zu lassen. Schonender Weise folgt hier auch erst einmal eine Warnung, um euch darauf vorzubereiten. Verfallt bitte nicht in Panik und schließt nicht aus lauter Abscheu die Seite.

OMG

Unerwartet?

Jawohl, für mich kam das Thema Pokémon wirklich wieder unerwartet auf. Und unerwarteter Weise ist die Figur im Bild oben kein Kapselmonster, sondern ein feindlicher NPC. Dies sei nur gesagt um möglichen Fragen vorweg zu greifen. Wenn ich mich richtig erinnere habe ich im Alter von 13 Jahren meine erste Begegnung mit dem Thema gehabt und wenige Jahre später ist das Ganze auch schon wieder abgeflaut, als ich mit den Editionen einfach nicht mehr hinterher kam und T-DSL 1000 in mein Leben einzog. Guild Wars war da damals doch spannender und eine fremde Welt gemeinsam mit Freunden bereisen wirkte ungleich spannender in der damaligen Zeit. Ironischer Weise ist es jetzt genau umgekehrt, denn obwohl ich noch ganz von Guild Wars 2 verzaubert sein müsste, hat sich die Langzeitmotivation für das Spiel noch nicht eingestellt. Da Freunde von mir begannen ihre Zeit anderen Dingen zuzuwenden, wie zum Beispiel PokeMMO, stolperte ich auch wieder in die mir bekannte Welt aus Kindertagen und war erstaunt, wie sehr mich dieses Spielprinzip wieder faszinieren konnte. Vor allem aber hat es mich erschreckt wie viel tiefer gehender das Spiel in seinem Kern ist und wie viel Anspruch es auch an die erfahreneren Spieler unter uns hat. Nur ein simples Kinderspiel? Weit gefehlt! Sehr viel Potential, was ich als kleiner Junge damals schlichtweg nicht fassen konnte, da ich heute eine andere Art habe Spiele zu spielen.

6years

Das Projekt

Aber genug davon, denn genau genommen möchte ich euch weniger die Spielserie von Nintendo vorstellen, als viel mehr das englischsprachige Projekt PokeMMO. Dies ist, wie der Titel schon erahnen lässt, eine Online-Variante von Pokémon, bei der ihr erstmals mit anderen Spielern in einer Welt unterwegs seid und euch gegenseitig herausfordern oder durch Handel unterstützen könnt. Man könnte fast sagen, dass sich das Spiel derzeit in einer sehr stabilen Übergangsphase zwischen Alpha und Beta befindet. Sehr viele Features sind schon online und die Grundelemente funktionieren, jedoch liegt noch ein weiter Weg bis zum gesetzten Ziel. Die übergeordnete Aufgabe für die Betreiber dieses Projektes ist es nämlich die Spielwelt der Pokémon Editionen Blattgrün & Feuerrot als MMO abzubilden. Wer schon einmal eines dieser Spiele von Nintendo gespielt hat, wird wissen, über was für ein Mammut-Projekt wir uns hier unterhalten. Als Einstimmung verlinke ich euch ein Community Video, was derzeit den Trailer darstellt, bis es etwas Offizielles gibt.

Community Trailer zu PokeMMO

Feuerrot? Blattgrün? Kohlrabenschwarz?

Bevor ich euch jetzt die Informationen über den Server und was es dort alles gibt zu informieren will ich euch ein paar Informationsschnipsel zur Sicherheit geben. Wenn euch Pocket Monster an sich schon nicht interessieren, ist es trotzdem hilfreich sich diese Schnipsel im Hinterkopf aufzubewahren, denn es ist immer gut auch offline eine Einteilung vor Augen zu haben. Nicht unverdient hat die Pokémon-Serie massiven Einfluss auf den Aufbau heutiger Rollenspiele und Adventures gehabt. Seid ihr etwas bewanderter in der Thematik könnt ihr weiter unten beim Punkt 'Sammelprinzip' den Faden wieder aufnehmen und die folgenden Absätze überspringen. Für ein solides Hintergrundwissen über Pokémon benötigt es nicht viel, deswegen werde ich euch jetzt nicht mit Details bombardieren, sondern nur das Nötigste der Spielewelt erzählen. Sonderlich komplex ist diese Welt sowieso nicht, denn wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein Spiel vornehmlich für Kinder und Jugendliche handelt. Der bestechende Tiefgang kommt mit dem Gameplay, welches einen eigenen Absatz hat.

Die angesprochene Spielewelt von Pokémon könnt ihr euch als ist eine zusammenhängende Karte vorstellen, auf der die einzelnen Kontinente miteinander verbunden sind. Wenn man möchte nimmt man sich direkt den Aufbau von Japan unserer Zeit als Beispiel und fängt an die einzelnen Spiele, wie getrennte Inseln zu betrachten. Was ich damit meine wird euch hoffentlich in den folgenden Absätzen klarer:

Die ursprünglichen Spiele von Pokémon heißen bei uns blaue & rote Edition. Oftmals fällt jetzt hier der Begriff erste Generation, welche circa 151 verschiedene Pokémon umfasst. Vom Aufbau her sind die beiden Editionen identisch. So startet man in den Spielen in seinem Heimatdörfchen, sucht sich eines der drei Starter-Tierchen aus, kämpft gegen seinen Konkurrenten und wandert von Stadt zu Stadt. Ziel ist es zur Pokémon-Liga zu gelangen, was eine Turnierform ist, bei der nur Pokémon-Besitzer (Trainer) zugelassen sind, die alle Arenaleiter des Landes besiegt haben. Arenaleiter sind besondere NPCs, die in der Regel stärkere Monster haben und wenn man sie besiegt hat als Beweis für die Pokémon-Liga dem alter Ego einen Orden überreichen. Man kämpft die ganze Zeit über natürlich nicht nur mit seinem ersten Pokémon, sondern begegnet im hohen Gras, in Verliesen und verlassenen Gebäuden gegen wilde Viecher. Diese kann man dann wahlweise fangen, zum Training besiegen oder links liegen lassen. Gleichzeitig mitführen kann man bis zu sechs Stück und man kann noch sehr viele mehr in einem Lagerungssystem aufbewahren. Ist das Team beispielsweise voll, werden neu gefangene Pokémon direkt ins Lager geschickt. Pokémon sammeln Erfahrungspunkte, lernen neue Attacken, werden stärker durch Level-ups und manche von ihnen entwickeln sich auf bestimmten Stufen weiter, was ihnen einen kleinen Attributs-Schub gibt. Das komplette Sammelprinzip müsste vielen jetzt schon klar sein.

Der kleine Unterschied zwischen den Editionen ist jedoch der, dass man in der einen Edition ein paar Pokémon nicht fangen kann, die es dafür nur in der anderen Edition gibt und umgekehrt. Und ja, hier wurde wirklich auf so etwas wie 'Balancing' und Fairness geachtet, dass dem Spieler keine Nachteile beim Bestreiten der Kampagne entstehen. Diese Editionen beschränken sich auf das Gebiet 'Kanto'. Als Bonus für Fans gab es die gelbe Edition, in der man im Prinzip nochmal das gleiche Spiel hatte, nur mit dem Unterschied, dass das bekannte Taschenmonster Pikachu bereits von Beginn an hinter einem her lief.
Später kamen die goldene & silberne Edition raus, die auf dem nächsten Kontinent namens Johto spielten. In unserem Inselbeispiel wäre das jetzt quasi die nächste Insel Japans. Hier wurden 100 neue Pokémon hinzugefügt, sodass es nun 251 waren. Aus neuen Starter-Pokémon wählte man auch aus und dann hatte man außerdem als besonderes Schmankerl die Möglichkeit den alten Kontinent Kanto aus den Vorgänger-Versionen zu besuchen. Auch zu Gold & Silber gab es kurz darauf wieder einen Bonus: Die Kristall-Edition. Neben verbesserter Grafik und hübscherem Sound, wartete das Spiel mit kleinen Bewegungsanimationen beim Einstieg der Pokémon in den Kampf auf. Außerdem konzentrierte sich die Geschichte auf die Jagd von Suicune, eines der legendären Pokémon. Man tat aber im Grunde im Spiel aber dasselbe, wie in Gold & Silber.

In der dritten Generation folgten weitere Teile, darunter Rubin & Saphir, die wieder neue Pokémon mit sich brachten und es nun 388 von den Biestern gibt. Hier wurde ein dritter Teil der Welt unter dem Namen Hoenn vorgestellt, die nächste Insel Japans, wenn man dem Gedanken von oben weiter folgen will. Besonders war hier die Möglichkeit erstmals Zweier-Kämpfe durchzuführen, bei denen Pokémon immer pärchenweise gegeneinander antraten, was für mehr taktische Tiefe sorgte. Für uns aber jetzt wesentlich interessanter sind die Remakes der Editionen Blau und Rot: Feuerrot & Blattgrün. Hier hat man wieder den Kontinent Kanto, aber auch Einflüsse aus den späteren Editionen. Darüber hinaus waren dieses Editionen ins selbe Grafikgewand gekleidet, wieder Rubin & Saphir. Und jetzt zur Abrundung warum wir hier gelandet sind: Auf Feuerrot & Blattgrün basiert PokeMMO im Wesentlichen. Es gibt auch noch Remakes zu Gold & Silber, namentlich Herzgold & Seelsilber, aber von diesen werden nur Sprites und ein paar Pokémon geliehen. Inwiefern diese Editionen mit verarbeitet werden ist noch nicht absehbar. Ich vermute aber, dass im finalen Spiel mehr als 251 Pokémon integriert sein werden.

Wie ihr jetzt schon so langsam merkt: Die Pokémon-Fans sind wirklich so verrückt oftmals für das gleiche Spiel mit geringen Änderungen noch einmal Geld auszugeben. Aber dieses vermeintlich irrationale Verhalten dürfte euch erst kürzlich bei den Schlange-Stehern für das iPhone 5 wieder aufgefallen sein. Oder bei Sammlern an sich. Zugegeben das ist alles absichtlich so spitz formuliert, da man fairer Weise sich vor Augen führen muss, dass sich die Serie ständig weiter entwickelt hat und mit neuen Features, sowie verbesserter Spielemechanik aufwarten konnte, wie beispielsweise Zweier- und später auch Dreierkämpfe. Es wird gibt noch einige weitere Editionen, bevor wir zur aktuell 5. Generation kommen, zu der auch Schwarz & Weiß samt Nachfolger gehören und ich denke, dass es genügend ehemalige Spieler geben wird, die sich ein bisschen stark gemolken fühlen. Da wir jedoch jetzt das Wichtigste wissen, unterbreche ich den Überblick an dieser Stelle. Wenn ihr euch noch mehr über die Veröffentlichungsdaten der Serie informieren wollt oder speziellere Informationen sucht, findet ihr hier den Eintrag im deutschen Wikipedia zum Nachlesen. Dort gibt es auch wie immer weiterführende Links zu jeder einzelnen Edition!

Das Sammelprinziptradegirlfriend

Wie beschrieben, muss man neue Pokémon erst einmal finden und irgendwann wird man sie ganz nebenbei auch sammeln oder tauschen. So hat jedes Pokémon einen bestimmten Fundort und taucht an dieser Stelle auch nur mit einer gewissen Häufigkeit auf. Weniger gewünschten Tierchen wird man wesentlich öfter über den Weg laufen als Anderen, wie es auch bei anderen Spielen üblich ist. Bestimmte Pokémon, die mit der Story zusammen hängen, sowie Legendäre gibt es unter Umständen nur ein einziges Mal. Im Grunde weiß man aber schon nach kurzer Zeit, wie der Hase läuft und wenn man ein gutes Team zusammengestellt hat, geht einem auch nur selten ein Pokémon durch die Lappen, wenn man es wirklich fangen will. Speziell im Hinblick auf PokeMMO muss ich aber hinzufügen, dass noch nicht alle 151 Pokémon der ersten Generation enthalten sind. So gibt es derzeit keine legendären Pokémon und vereinzelt wurden aus skript-technischen Gründen bestimmte Wesen noch nicht eingeführt. Aus der zweiten Generation sind allerdings ein paar wenige begehrte Exemplare schon vertreten. Darüber hinaus gibt es aus aktuellem Anlass (Nach-Allerheiligen) ein Event, wodurch man sogar Pokémon aus späteren Generationen fangen kann. Laut implementierten PokéDex, eine Art mobiles Lexikon, welches der Protagonist in jeder Edition mit sich führt, sind vermutlich die ersten 386 Tierchen geplant. Wie weiter oben erwähnt, will ich hier aber nicht spekulieren. Für Leser mit guter Kondition bei der Bedienung des Scrollrads gibt es hier eine vollständige Liste aller jemals offiziell erschaffenen Pokémon.

Dreiecksbeziehungen harden

Christoph erwähnte ja bereits, dass sich die Taschenmonster voneinander unterscheiden und dass sie Stärken und Schwächen haben. Pokémon haben einen bestimmten Typ, teilweise sogar zwei. So ist ein Vogel in der Regel ein Flug-Pokémon und somit hat es zum Teil ganz andere Schwächen als ein Pokémon, dass zu den Boden-Pokémon zählt. Ein Elektro-Pokémon ist zum Beispiel der natürliche Feind eines Flug-Pokémon, da es normalerweise Elektro-Attacken beherrscht, die dem geflügelten Widersacher doppelten Schaden zufügen, gegen ein Boden-Pokémon ist es jedoch im Nachteil. Wie man aus diesem Beispiel sehr leicht erkennt, ist es so, dass die Art des Angriffes nicht durch den Typ des Angreifers festgelegt wird, sondern durch die Attacke selbst. Für die Verteidigung zählt nur der Typ. Sind Angreifer und Attacke allerdings vom gleichen Typ, wird der Schaden noch einmal verstärkt.

Viele Beziehungen erscheinen dem Spieler von Anfang an logisch, wie das typische Papier-Stein-Schere-Echse-Spock-Prinzip. Eine Pflanze wird einen Vogel wohl kaum erreichen können und die Pflanze wird im Umkehrschluss wesentlich mehr Schaden durch den Vogel nehmen als umgekehrt. Jedoch wird man mit der Zeit feststellen, dass gerade Mischtypen das Verhältnis verschieben: Während ein Wasser-Pokémon einem Pflanzentyp gegenüber im Nachteil ist, erleidet Garados vom Typ Wasser/Flug nicht den doppelten, sondern nur normalen Schaden, da wir ja gerade gelernt haben, dass Flugtypen wiederum Pflanzen überlegen sind. Das gleicht sich also aus. Ein Elektro-Pokémon hingegen würde Garados jedoch sogar vierfachen Schaden machen, da Elektrotypen sowohl Flug- als auch Wasser-Pokémon gegenüber im Vorteil sind. Situationsabhängig ist es also mal schlau einen Mischtypen zu haben, dann wieder schlau eine reine Klasse zu spielen. Genauso wie es auch notwendig ist, seinen Kämpfern auch unübliche Attacken beizubringen, sofern möglich natürlich. Hiermit könnte man dann den Gegner, egal ob NPC oder menschlicher Gegner, überraschen. Da man einem Pokémon nur vier Attacken beibringen und es auch nur bestimmte Attacken von selbst oder durch Items lernen kann, muss man hier bereits vor dem Fangen abwägen, was man mit dem Pokémon später machen möchte. Aufschluss darüber welche Attacken ein Pokémon lernt und auf welchem Level, findet sich im bereits erwähnten PokéDex und im Internet. Eine Aufstellung über das Verhältnis der Typen zueinander liefere ich nun:

typen
(Quelle: deutsches Pokéwiki)

Handle nicht wider deiner Natur

Doch auch die bereits erwähnten Zusammenhänge zwischen Attacken und Typ sind nicht das Besondere. Diese Eigenheit ist so gesehen noch Kinderkram, den schon damals jeder Halbstarke verstehen konnte. Die Besonderheit sind die Attribute eines Pokémon. Zwei gleiche Pokémon mit identischer Stufe und identischen Attacken unterscheiden sich nämlich massiv. Zwar besitzen sie die gleichen Basiswerte, jedoch haben auch noch andere Faktoren Einfluss auf die Entwicklung. Einerseits hat jedes Pokémon nämlich ein Wesen, die sogenannte "Natur" eines Pokémon, welches Einfluss auf die Attribute hat und andererseits die Attribute selbst. In den Original-Spielen sieht man die fertigen Attributswerte, kann sie jedoch nur schwer nachvollziehen. Die Attribute eines Pokémons sind die Lebenspunkte, Angriff, Verteidigung, sowie Spezial-Angriff, Speziel-Verteidigung und die Angriffsgeschwindigkeit, welche die Angriffsreihenfolge festlegt. Auf diese Werte kommt die Genetik eines Pokémons zu tragen. So hat jedes Pokémon eine unvergleichliche DNS, wenn man es denn so nennen möchte, die natürlich ausgewürfelt ist. Es kann dadurch zwischen 0 bis 31 zusätzliche Punkte auf ein jedes dieser Attribute haben. Bei sechs Attributen kann zwischen einem Vollversager und einer Spitzenrakete also eine Differenz von 186 Attributspunkten liegen. Und das – ich betone es erneut – bei äußerlich identischen Pokémon.

Hinzu kommt jetzt das Wesen. Denn wenn ein Pokémon ein eher neutrales Wesen hat, dann ändern sich die Werte in Abhängigkeit der Natur eher weniger. Ist es jedoch beispielsweise äußerst "ruhig", hat es eine niedrigere Angriffsgeschwindigkeit, jedoch einen deutlich stärkeren Spezial-Angriff. Diese Abstufung hat zur Folge, dass erfahrenere Spieler gezielt nach Pokémon mit einer bestimmten Natur suchen und dieses Pokémon sollte dann auch noch gute Gene haben. Mittlerweile gibt es Möglichkeiten anhand der vorliegenden Werte auf die eigentlichen Gene zurück zu rechnen, doch diese Formel wäre an dieser Stelle zu ausschweifend zu erläutern. Stattdessen zeige ich mit einem Bild, wie sich dieses Abwägen zwischen einem guten und einem minder guten Pokémon allein schon im Prozess des Fangens äußert:

continue
depot

Fleiß-Punkte (EV)

Hat man nun endlich das gewünschte Exemplar gefunden, werden die EVs für das Training wichtig. E(ffort)V(alues) oder zu deutsch die "Fleißpunkte" haben gesonderten Einfluss auf die Attribute. Im im offiziellen Spiel sind sie sehr unscheinbar gewesen, da sie gar nicht erst angezeigt wurden. Im PokeMMO kann man sie jedoch jederzeit auch während eines Kampfes anzeigen lassen, wie im Bild weiter unten zu sehen ist. Jedes Pokémon kann maximal 510 dieser Punkte bekommen. Diese werden durch die Kämpfe gegen bestimmte Gegner verteilt. Das heißt, dass man den EV-Wert bei Speed/Initiative steigert indem man beispielsweise sein Pokémon gegen ein Pikachu antreten lässt. Eine kleine Übersicht welches Pokémon welche Attribute gibt, findet sich im Wikia zum PokeMMO. Einen Wert kann man jedoch nicht höher als 255 bringen, doch auch hier ist noch eine Eigenheit zu beachten: Mit zunehmenden Level haben die EVs mehr Einfluss auf die richtigen Attributspunkte. Auf Level 100 zählt jeder vierte Fleißpunkt einen zusätzlichen Punkt in der Attributslinie. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man nach Möglichkeit einen durch 4 teilbaren Wert ermittelt, um den gewünschten Effekt der Attributssteigerung zu erfahren. Somit ist der höchste, sinnvolle Wert 252. Darüber hinaus sei gesagt, dass eine 'saubere' Verteilung leider nicht möglich ist, wodurch man aber auch eine gewisse Fehlertoleranz von zwei Punkten hat. Unterm Strich bedeuten die Fleiß-Punkte allerdings auch, dass man ein optimales Pokémon durch das Bekämpfen der falschen Pokémon noch sehr stark verunstalten kann. Dann ist es zwar nicht komplett nutzlos, aber im Player versus Player (PvP) und in Turnierkämpfen eher weniger zu gebrauchen. Hier ein Leitfaden zum Züchten für Fortgeschrittene.

garadosEV

Königsklasse: Züchten

Pokémon können seit der zweiten Generation auch gezüchtet werden. Bislang ist die Zucht noch nicht in PokeMMO enthalten, es ist jedoch mehr als nur wahrscheinlich, dass es möglich sein wird Pokémon auszubrüten. Ähnlich wie beim Blümchen und Bienchen braucht man von Pokémon ein ungleiches Pärchen, am Besten also ein Männliches und ein Weibliches der gleichen Art. Dieses Gespann bringt man dann in eine Pension und nach einer Zeit, bekommt man ein Ei. Dieses Ei wird ausgebrütet, indem man einige Schritte mit dem Ei im Team läuft. Je nachdem wie gut sich die Pokémon verstanden haben, verkürzt sich die Brütungszeit. Es gibt auch geschlechtslose Pokémon, darunter Ditto, ein Pokémon, dass sich in andere Pokémon verwandelt und selbst keine Attacken hat. Dieses Pokémon, kann mit fast jedem anderen Pokémon gepaart werden, weswegen es sehr oft bei Internetmemes als Pointe verwendet wird.

Das Besondere an den selbst gezüchteten Pokémon, sind neben der Jungfräulichkeit dieser Wesen und der Freiheit jede Menge neuer Attacken zu lehren, dass diese Pokémon die genetischen Erben sind. So kann ein Pokémon neben den guten Genen auch noch eine besondere Natur erben, die es sonst nicht könnte. Oder es kann eine bestimmte Eigenschaft erlernen, die es sonst niemals hätte lernen können. Alles in Allem kann man auch hier wieder jede Menge Fehlschläge erleben, denn das eigentliche Endprodukt hat man ja auch erst nach dem erfolgreichen Ausbrüten. Dies ist dennoch eine Hürde, die viele erfahrene Spieler in Kauf nehmen. Zur Not werden auch zwei halbwegs potente Pokémon gepaart, um mit viel Glück eine überlegene Nachkommenschaft zu kreuzen. Berücksichtigt man also den Faktor der Zucht mit beim Aufbau seines Teams und seiner Pokémon, hat man einen sehr langen Prozess bis ein Pokémon gereift ist. Und diese zusätzlichen Überlegungen sind in einem Turnier die Ursache für massive Unterschiede. Bereits hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

battle

Kritik

Bislang habe ich nur sehr wenig gefunden, dass mich stört an PokeMMO, jedoch sind wenige Kleinigkeiten meist schon gravierender, als ein richtig fetter hässlicher Bug. Das derzeit noch kein Brüten oder nicht noch mehr Pokémon integriert ist bzw. sind, mag derzeit ein ziemliches Problem sein. Viel schlimmer ist es jedoch zur Zeit ein vernünftiges Team oder einen vernünftigen Build für ein Pokémon zu bauen. Man kann zwar kalkulieren, jedoch wird man sehr oft auf Fertigkeiten treffen, die noch nicht richtig implementiert wurden oder deren Effekte nur fehlerhaft im Spiel sind. Außerdem gibt es normalerweise die Möglichkeit bestimmte Attacken per Item unendlich oft zu lehren, doch bislang ist diese Option nur eingeschränkt nutzbar. Auch ist es sehr oft so, dass bestimmte Gespräche mit NPCs nicht verfügbar sind, weil das jeweilige Skript fehlt. Dadurch ist es noch nicht möglich ein Pokémon gezielt Attacken vergessen zu lassen oder bestimmte Attacken-Lehrer sind nicht in der Lage ihr Wissen weiter zu geben. Die offizielle Geschichte endet bisher auch noch VOR den Top Vier. Die Top Vier sind die Elite-Kämpfer der Pokémon-Liga, die es nach der bestandenen Rundreise zu schlagen gilt, um das Ende des Spiels zu erreichen. Da diese jedoch sehr Skript-intensiv sind, ist es verständlich, dass wenn die restlichen 90% der Story schon implementiert sind, nur noch der runde Abschluss fehlt.
Dass es keine legendären Pokémon gibt ist auch ein Kritik-Punkt den ich habe. Diese soll es nur im Rahmen von besonderen Events geben, jedoch habe ich in der Vergangenheit schon oft die Erfahrung gemacht, dass ich solche Events dann meistens verpasse. Außerdem bin ich auch ganz ehrlich aus dem Alter raus, dass ich an den großen Feiertagen vorm Rechner hocke und Events abfarme. Mittlerweile geht da das Privatleben doch schon vor.

Außerdem verfügt PokeMMO über einen Gift-Shop der für nicht gerade wenig Geld die Chance ein 'shiny' Pokémon zu treffen, erhöht. Hier geht es mir weniger um das Ausmaß dieser erhöhten Begnungsrate, nein. Meine Kritik geht jetzt hier vor allem an die Community, da die Entwickler gesagt haben, dass sie keinen Item-Shop machen werden, wundern sich jetzt alle. Das Ganze ist derzeit nichts anderes als ein Donationsystem, um quasi Spenden zu sammeln. Aufgrund des Modells dürften die Entwickler nämlich mit etwas Anderem als Donations auch kein Geld verdienen. Als kleines Dankeschön oder sozusagen als Bonus gibt es den Gift-Shop mit Steigerung dieser Rate. Da 'shinies' jedoch rein kosmetischer Natur sind, keinen spielerischen Mehrwert bringen und darüber hinaus teilweise auch echt hässlich sein können, denke ich doch, dass sich das verschmerzen lässt, so etwas eingeführt zu haben. Nichtsdestotrotz hat die Einführung dieses Systems viele Spieler direkt zu falschen Schlussfolgerungen gebracht, aber wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, erkennt man hier einen deutlichen Unterschied zu einem Free-to-play ähnlichen Item-Shop.
Der letzte Kritikpunkt ist die Serverkapazität am Wochenende. Während des Verfassens dieser Zeilen, aber auch sonst, habe ich des Öfteren eine Warteschlange von über 1000 Teilnehmern vor mir gehabt. Ich muss zwar einräumen, dass sich die Wartezeiten am Wochenene zwischen 6-15 Minuten bewegen und man unter der Woche nur selten eine Warteschlange hat, aber stören tut es mich doch. Glücklicher Weise werden idler nach einer Weile gekickt und bei Sitzungen wird die IP geprüft, damit nur ein Account pro IP einloggen kann. Somit sind die Slots zumindest vor den gängigen Problemen geschützt.

queue

Abschluss

Mein Thema, wie euch mittlerweile klar geworden sein durfte, ist ziemlich unabhängig vom anstehenden Release von Pokémon Schwarz & Weiß 2 (Launch-Trailer) entstanden. Obwohl ich auch über Christophs Kaufpläne drüber gelesen habe, hatte es mich zu dem Zeitpunkt nicht besonders tangiert und ebenfalls nicht beeinflusst. Und wie ihr gemerkt habt, bin ich selbst erstaunt, wie viel Tiefe ich in diesem Spiel noch entdeckt habe. Selbst jetzt habe ich auch noch nicht alles gesehen und sicherlich beherzige ich auch nicht jeden Rat, den ich hier von mir gebe.

Zuletzt noch ein dickes Lob für alle Leser, die es bis hierher geschafft haben. Genauso aber auch an die Entwickler dieses Projekts, ohne die es diesen Eintrag wohl nicht geben würde. Informationen zur Installation entnehmt ihr bitte der Seite. Außerdem sind Verbesserungsvorschläge und Fehlerkorrekturen immer gerne gesehen. Verzeiht, dass das Layout so ist, wie es ist. Vielleicht wird der Webmaster da noch einmal drüber gehen.

Was ich mir für PokeMMO wünschen würde, ist ein weiterhin starkes Team, das regelmäßig den Server mit Updates versorgt und dabei fair bleibt. Eine immer noch tolle Community, auch wenn man hier schon die typischen Internetsprüche hat, wie man sie hier auch in den Bildchen sieht. Außerdem will ich noch kurz hervorheben, dass ich PokeMMO mit meinem Xbox 360 Controller via Xpadder spiele. Sehr zu empfehlen, sehr zu empfehlen. Worth donating.

In diesem Sinne

PokeMMO – No bullshit, just Games

--jks
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 Quickies mit Ron
 Verfasst von Rondrer
 Am 16.08.2012 um 00:00
 Kategorien: Spiele, Gespielt, Gastbeiträge
Nachdem der Webmaster gerade Köln unsicher macht, muss ich mich mal wieder als Lückenfüller betätigen und da ich zu faul für was gescheites bin, führe ich die Tradition der Ultra-Kurz-Berichte weiter. Also ohne Umschweife ran ans Werk:

Batman: Arkham City - Bin noch nicht ganz durch, aber die Haupthandlung geht wohl schon dem Ende hingegen. Das Spiel ist auf jedenfall eine konsequente Fortführung von Arkham Asylum. Sieht alles sehr stylisch aus, das Fortbewegen per Grapple-Gun und Gleit-Umwang macht Spaß und das Kampfsystem funktioniert auch wieder gut. Wobei mir es mir da zuweilen zu viele "Spezialgegner" (Bewaffnet, mit Körperpanzerung, mit Schild etc.) gibt, für die man jeweils unterschiedliche spezielle Angriffe benötigt. Das kann dann doch mal nerven. Aber ob man die Open-World wirklich gebraucht hätte? Ich weiß nicht. Das führt zu Problemen, die viele Open-World Spiele haben: Die Haupt-Story macht es an vielen Stellen eigentlich nötig sich zu beeilen, um irgendwelche schlimmen Dinge zu verhindern. Es passiert aber nichts, solange man nicht zu den entsprechenden Story-Triggern geht. Man kann jederzeit beliebig lange irgendwelchen Nebenaufgaben nachgehen, ohne dass es irgendjemanden stört. Klar wäre es auch nervig wenn man Nebenaufgaben mittendrin abbrechen müsste wegen dem Hauptquest, aber so wie es ist nimmt das jegliches Spannungsgefühl aus der Haupt-Geschichte raus, da man nie das Gefühl hat sich wirklich beeilen zu müssen. Ansonsten aber hervorragendes Spiel: Kaufen!

RAGE - So ich muss mir mal wieder ein paar Feinde schaffen, zuviel Harmonie bringt auch keinem was ;). Ich habe RAGE noch wirklich nicht viel gespielt, aber für nen ersten Eindruck reichts. Und der ist leider nicht sehr positiv. Der erste Aufregen kam ja schon beim allerersten starten: Obwohl das Spiel an sich extrem flüssig lief, hatte ich in regelmäßigen Abständen fette Hänger. Ich vermute allerdings, dass ich daran selbst schuld war, weil ich extra noch nen neuen Graka-Treiber installiert hatte und danach keinen Neustart gemacht hatte (er fragt ja nach der Treiber Installation nichtmal mehr danach). Seitdem läuft es allerdings fluffig, daher will ich das dem Spiel nicht ankreiden, angepisst war ich aber trotzdem... Zum Fan der Megatextures macht mich das Spiel auf jedenfall nicht: Von nahem sehen die Texturen einfach bescheiden aus. Da hab ich lieber Texturen die sich vielleicht mal wiederholen, aber dafür kein solcher Matsch sind. Zusätzlich gibt es immer noch das sichtbare nachladen von höher aufgelösten Versionen der Texturen, was einfach keinen guten Eindruck macht. Es ist bei weitem nicht so schlimm, wie bei manchen Leuten kurz nach Release, aber mich störts auf jedenfall noch. Das Gameplay hingegen ist ok. Mit Quad oder Buggie rumschrubben macht Spaß. Die Shooter Sequenzen find ich bisher nicht sehr herausragend. Es gibt auch mal wieder was, was ich bei Spielen nicht ausstehen kann: Gegner, die mehr als einen Kopfschuss brauchen, wenn sie nicht wenigstens nen sichtbaren Helm oder irgendwas tragen. Ich werds auf jedenfall weiterspielen, bisher bin ich aber nicht beeindruckt.

World of Tanks - Mal ein kleines Update zu meinem Eintrag von vor ziemlich genau einem Jahr: Ich spiele derzeit wieder vermehrt WoT und ich muss sagen ich finde es immer noch super (eigentlich sogar besser als jemals zuvor). Wargaming zeigt auch hervorragenden Support für das Spiel. Ständig gibt es Patches mit neuen Panzern, neuen Karten und noch vielem mehr. Seit meinem Eintrag ist Beispielweise ein komplett neuer französischer Tech-Tree hinzugekommen und es gibt einige neue Spielmodi (Die sich spielerisch allerdings auch nicht wirklich von dem einen ursprünglichen unterscheiden). Auf jedenfall ein tolles Spiel und ein F2P-Titel, bei dem ich gerne ein paar Euro für nen Premium Account und sonstige Kleinigkeiten ausgebe.

Rockstar präsentiert Tischtennis - Christoph hat ja schon einiges dazu geschrieben und dem gibt es auch nicht viel hinzuzufügen. Wollte es nur nochmal erwähnen, weils einfach gut ist (aber durchaus auch ein bisschen speziell ;) ). Dürfte nur im Singplayer gerne etwas motivierender sein. Ein Karrieremodus wäre schön. Oder zumindest einen eigenen Tischtennis Spieler und nicht nur die vorgegebenen.

Commander Keen - Episode 1-5 - Nachdem es bei Steam den "Complete Pack" im Angebot gab musste ich einfach zuschlagen. Allerdings ist der Name "Complete Pack" ziemlich irreführend: Keen Dreams und Episode 6: Aliens Ate My Babysitter! fehlen kommentarlos. Die ersten beiden Episoden habe ich mittlerweile abgeschlossen hänge jetzt in der 3., da es da ein paar echt üble Level gibt. Und das ist auch genau das was ich bisher aus den Spielen mitgenommen habe: Sie sind verdammt schwer. Ich hatte schon einige Momente, in denen ich am liebsten in die Tastatur gebissen hätte ;). Da man sofort beim berühren eines Feindes oder sonst irgendetwas gefährlichem stirbt und dann das Level komplett von neuem beginnen muss, verzeiht das Spiel einfach keine Fehler, da muss quasi jeder Sprung und jeder Schuss sitzen. Für Nostalgiker, die früher zumindest eine der Episoden gespielt haben auf jedenfall das Geld wert. Für alle anderen wohl eher nicht zu empfehlen.

Space Pirates and Zombies (and Bounty Hunters) - Schon etwas länger her, dass ich es gespielt hab, hat mir aber doch schon ziemlich Spaß gemacht. Wurde mir nur persönlich irgendwann zu eintönig. Die Spielwelt ist riesig (bzw. die Anzahl der bereisbaren Sonnensysteme ist riesig), selbst wenn man beim Start eine klein gewählt hat. Und ohne einen Großteil davon abgegrast zu haben, sieht man in den schwierigeren Systemen kein Land. Das war mir dann zuviel immer gleiches abfarmen der Systeme. Aber bis dahin war es ein großer Spaß. Vorallem die vielen grundverschiedenen Raumschiffe mit verschiedensten Waffen und Anbauteilen haben mir gefallen.


Ok, waren teilweise vielleicht nicht wirklich Ultra-Kurz, aber da würde ja auch irgendwo dem Motto der Seite wiedersprechen ;).

PS: Noch einen kleinen Nachschlag zu Rage: Vielleicht ein bisschen kleinlich von mir, aber unendlich nervig: Jedesmal wenn man das Spiel startet und man nach den verschiedenen Intros und dem obligatorischen Startbildschirm ins Hauptmenü kommt speichert er erstmal und man muss nen Moment warten. WAS ZUR HÖLLE SPEICHERT ER DA? ICH HAB DAS SPIEL GERADE ERST GESTARTET. Aber da hört es ja nicht auf... Auch wenn man das Spiel beenden will muss man den Weg über das Hauptmenü gehen. Und dann speichert er ebenfalls wieder. Aber nicht den Spielfortschritt, den muss man vorher noch von Hand speichern... ARGH!
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 Ode an den Penetrator
 Verfasst von Azzkickr
 Am 14.06.2012 um 00:00
 Kategorien: Spiele, Gespielt, Gastbeiträge
"Saints Row: The Third. Das erste Spiel seit langer Zeit dessen Release ich tatsächlich herbeigesehnt habe und seit Ewigkeiten wieder ein Titel, bei dem ich im Vorfeld wirklich alles verschlungen habe, was ich finden konnte." - - - NICHT ! ABSOLUT GARNICHT!

Nein, man kann wahrlich nicht behaupten, dass ich auch nur ein geringstes Interesse an Saints Row 3 hatte. Streng genommen war mir die Serie bis vor kurzem sogar komplett fremd. Teil 1 und 2 kannte ich gar nicht und auf Teil 3 wurde ich auch nur zufällig durch einen Trailer aufmerksam. Ein Trailer, der mich ob des hohen Grades skurriler Inhalte dann aber doch neugierig machte. Ok, es gab auch eine Phase, wo ich dann auch schon entschieden hatte, das Spiel zu ignorieren, weil's einfach zu absurd erschien. Letztlich war es dann aber doch die Neugierde auf diese Art von Spiel und – wie schon öfters – der Artikel des sicherlich nicht ganz unvoreingenommen Webmasters, der mich dazu bewog, das Spiel zu kaufen. Achso: Dass es just bei Steam für'n Zehner zu haben war, hatte natürlich rein Garnichts damit zu tun laughing.

Das Warum, weshalb und wieso

Es war also seit Jahren mal wieder ein Spiel, von dem ich nicht wusste, ob es mich wenigstens auch nur ansatzweise unterhalten würde. Ich wusste nur: ich steh auf schwarzen Humor, Ironie, Zynismus und politisch-inkorrekte Inhalte. Ich wusste aber auch, dass ich bislang jedes Open-Word-Spiel nach kurzer Zeit total gelangweilt, stellenweise auch genervt wieder beiseitegelegt hab. Hat das Experiment also geklappt?

Die Story des Spiels passt auf einen Bierdeckel: Stadt (Steelport) will von verschiedenen Banden erobert werden. Auseinandersetzung eskaliert, Regierung schaltet sich auch noch mit ein. Auseinandersetzung eskaliert noch mehr. Fertig. Ok, ich tue dem Spiel damit sicher etwas unrecht, vor allem zur Vorgeschichte, die offenbar in den beiden Vorgängern behandelt wurde, kann ich an dieser Stelle nichts sagen (für Infos bitte an den Webmaster wenden). Ist aber auch letztlich nicht nötig, denn das Faszinierende an diesem Spiel ist zweifellos nicht die Geschichte, sondern sind die äußerst kurzweiligen Missionen, die Charaktere, der Humor und der "Ich-säubere-die-Stadt-bis-ins-letzte-Eck"-Suchtfaktor. Aber der Reihe nach.

Der Spielablauf

Herstellerbild zu Saints Row: The ThirdWie für viele Open-World-Spiele typisch gibt es sowohl Hauptmissionen, die die Handlung vorantreiben, als auch sekundäre Aufgaben, deren Erledigung optional aber durchaus lohnend ist und die sich vor allem ohne großes Suchen an fast jeder Ecke der – für mich persönlich – angenehm überschaubaren, weil eben nicht exorbitant großen Stadt Steelport zu finden sind. Es gibt etwa ein halbes Dutzend verschiedener Typen dieser Nebenquests, unterteilt in jeweils drei Schwierigkeitsgrade. Davon durchaus realistische (Zerschlagen von feindlichen Bandenoperationen, illegaler Handel, Eskortmissionen, Transportmissionen) aber auch sehr absurde (Panzerfahrt, Amokfahrt, Versicherungsbetrug, Parcours [Professor Genki]). Es sind dabei besonders letztere, die immer wieder Spaß machen und von denen man gerne noch mehr hätte. Während die Panzer- und Amokfahrt einfach nur das Ziel hat binnen möglichst weniger Zeit möglichst viel Chaos und Zerstörung in die Stadt zu bringen, also einfach mal die Sau rauszulassen, geht es beim Versicherungsbetrug darum, sich möglichst geschickt vor Autos zu werfen und sich zu verletzten, was, wenn man die Steuerung mal kapiert hat, auch ein Spaß ist. Die -- leider sehr wenigen -- Parcours sind jedoch ein besonderes Highlight: hier geht es darum, unter Zeitlimit einen mit Fallen, Gegnern (Maskottchen und Schlägertypen) und Reaktionstests (aufploppende Zielscheiben) gespickten Hindernislauf zu bestehen. Kurz gesagt: das macht einen Heidenspaß. Ich bin dafür, dass einer der großen Publisher mal ein AAA-Vollpreisspiel nur mit solchen Parcours auf den Markt bringt smile.

Diese Missionen machen aber natürlich nicht nur Spaß, sondern bringen auch handfeste Vorteile. Mit jeder absolvierten Quest erhält man nicht nur Geld und Respekt sondern man erhöht auch seinen Einfluss in der Stadt (bzw. dem jeweiligen Stadtteil) – mit der Folge, dass mehr eigene Gangmitglieder auf den Straßen unterwegs sind und weniger des Gegners. Erreicht man 100%, gilt das Gebiet als gesäubert, die Gegner sind verschwunden. Diese 100% erreicht man jedoch nur, wenn man zusätzlich zu den Nebenmissionen auch Geschäfte erwirbt, die in Folge dessen einen regelmäßigen Betrag abwerfen und die als Zufluchtsort gelten um etwaige Verfolger schlagartig loszuwerden (nicht ganz realistisch, aber äußerst nützlich).

Das Hamsterrad

Das Spiel macht dabei etwas sehr richtig. Etwas, was ich persönlich nur aus Hack 'n' Slay-Rollenspielen kenne: es motiviert den Spieler ungemein, "die Stadt zu erobern". Während man in einem Diablo 3 bspw. im Minutentakt neue, tolle Items bekommt und im Level aufsteigt, ist es in Saints Row: The Third die Kurzweiligkeit der Nebenmissionen, die bei der Stange hält. Keine dieser Nebenaufgaben dauert mehr als 10min, die allermeisten sind in weniger als 5min erledigt. So entsteht das bekannte "nur noch eine Mission"-Prinzip. Toll. Hinzu kommt, dass man sich mit Hilfe des erlangten Respekts -- ähnlich wie in RPGs -- nach und nach neue Fähigkeiten freischaltet, die man mit dem verdienten Geld aktivieren kann. Und ich war echt überrascht, wie vielseitig und tiefgehend Saints Row 3 da ist: grob geschätzt sind das um die 100 freischaltbaren Talente/Boni/Gebäudeupgrades. Super. Und vor allem ist das Ganze auch ordentlich ausbalanciert: das Geld bleibt bis zum Ende immer recht knapp, der "Kauf" neuer Talente muss also gut geplant sein. Und: diese Talente sind auch wirklich spürbar. Einige Missionen habe ich bspw. erst geschafft, als ich mich weiter hochgelevelt hatte. Grandios.

Bleiben auf der Habenseite also noch die Charaktere und der Humor, wobei beides natürlich ineinander greift. Serientypisch ist bei den Charakteren von klischeehaft bis skurril alles dabei, ohne aber -- zumindest meiner Meinung nach -- ins Peinliche oder maßlos Überzogene abzugleiten. Entsprechend auch der Humor: einerseits ist in den Gesprächen viel Ironie und Sarkasmus zu entdecken, andererseits tut das Szenario sein Übriges (teils herausragende Level, viele Anspielungen auf Filme und andere Spiele). Ich sag nur: EINHORN! smile Aber auch die Liebe zum Detail überzeugt: allein schon die variantenreichen Nahkampfangriffe sind ne Wucht!! Und die obligatorischen Radiosender sind natürlich auch mit an Bord (wobei ich immer den Klassiksender drin hatte, was sehr bizarr ist, wenn man grade mit 'nem Panzer alles wegballert laughing). Achja: die Charaktere singen doch tatsächlich an einer Stelle zu einem Lied! Wie super ist das denn?!

Die andere Seite

Also alles gut in Steelport? Nein, leider nicht. Und dieses "leider" mein ich dabei absolut ernst. Denn ich muss zugeben: wären die folgenden Schwächen nicht, wäre Saints Row: The Third eines der besten Spiele, die mir seit Jahren in die Hände gekommen sind (freilich aufgrund auch wegen seiner Extravaganz und schweren Vergleichbarkeit mit z.B. Heavy Rain und Mass Effect). Aber leider haben die Programmierer so einige Böcke geschossen. Dazu gehört die bestenfalls durchschnittliche Technik: Grafik, Animationen, Sound. Nichts davon ist gut, sondern höchstens als zweckmäßig zu bezeichnen. Das wäre noch halbwegs vertretbar, aber das Spiel leidet trotzdem unter Performanceproblemen, vor allem im DX10/11-Modus. Bei mir kam es regelmäßig etwa alle 2-3 Minuten zu 2-3 Sekunden langen Hängern. Gegen Ende, wenn die Gegnermassen zunehmen, ist das Spiel auch mehrmals abgestürzt. Die Steuerung reiht sich auf diesem Niveau ein. Grundsätzlich solide, ist sie vor allem bei den Versicherungsbetrug-Missionen und Motorradfahrten extrem unkalkulierbar (und nein, ich finde nicht, dass das so sein sollte). Auch bleibt die Spielfigur oft an kleinen, nur zentimenterhohen Objekten hängen.

Das -- zumindest für mich -- Ärgerlichste ist aber, dass das Spiel keine deutsche Sprachausgabe hat. Wenn man nicht über sehr gute bis hervorragende, praxisgerechte Englischkenntnisse verfügt, geht einem leider sehr viel vom Humor und der Story verloren. Man muss wirklich in der Lage sein, auch während des hektischsten Schusswechsels oder den anstrengendsten Autofahrten ein akzentbehaftetes, sehr schnell gesprochenes Englisch zu verstehen. Rein theoretische Kenntnisse, so gut sie auch sein mögen (wie bei mir), werden da ohne Praxisübung nichts nützen. Das darf man dem Spiel jetzt natürlich nicht als Schwäche anrechnen, aber faktisch hat es bei mir den Spielspaß getrübt.

Fazit

Wie sieht also das Fazit aus? Hatte der Webmaster Recht, oder ist er nur ein voreingenommener Fanboy? Mitnichten! Ich kann an dieser Stelle nur meinen Dank aussprechen für seinen Artikel, der wohl das I-Tüpfelchen war und mich letztlich zum Kauf bewegt hat. Saints Row: The Third ist, aller Schwächen bei Technik, Steuerung und Lokalisation zum Trotz, ein tolles Spiel, das mich hervorragend unterhalten hat. Ich kann mir nur wünschen, dass es einen vierten Teil auf Basis der Next-Gen-Konsolen geben wird, wenngleich die Chancen dazu wohl nicht allzu gut stehen, schaut man sich die Meinung des neuen THQ-Chefs Jason Rubin an. Oder die schwierige Geschäftslage von THQ im Allgemeinen, sowie die nur mittelmäßigen Verkaufszahlen von Saints Row: The Third im Speziellen (Anm. d. Red.: Eigentlich war es mit 4 Millionen verkauften Einheiten der erfolgreichste THQ-Titel im Geschäftsjahre 2011).

Aber wenn wir alle Daumen drücken klappt’s ja vielleicht doch smile. Bis dahin: Kaufbefehl auch von meiner Seite aus!

WERTUNG

Spielspaß: 8,5 von 10 (Englisch-Profis: 9,0 von 10)
Technik: 5,5 von 10 (1 Punkt Abzug wegen Hänger und Abstürzen)
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